Donnerstag, 27. Oktober 2016

ABSCHLUSSREFLEXION: Energie in Thailand


Michael Daum, Lukas Gerbavsits, Patrick Kienzl, Tobias Kossits

Im Rahmen unseres Begleitseminars konnte sich jede Gruppe ein Thema aussuchen, zu dem sie nach der Exkursion einen kurzen Fachblog verfassen sollte. Unsere Gruppe einigte sich sehr schnell auf das Thema Energie. Aufgabe war es, während der Exkursion ein größeres Augenmerk auf Energie, Energiebereitstellung und Energieverbrauch zu legen. Die Unterschiede der Energiebereitstellung in Thailand im Vergleich zu unseren europäischen Standards sind sehr drastisch und verfolgten uns auf der ganzen Exkursion. Beginnend bei der Energiegewinnung (Braunkohle) bis hin zur Verteilung und auch den immer wieder aufkommenden Stromausfällen. 


Energie im Karendorf

Bereits bei unserem ersten Exkursionspunkt konnten wir schon sehr viele Eindrücke zum Thema Energie sammeln und mitnehmen. Beim Karendorf, wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Bevölkerungsgruppe, die in abgelegenen Gebieten im Nordwesten von Thailand lebt. Die Karen bilden eine Minderheitengruppe, die den Alltag unter einfachsten Bedingungen bewältigt. Laut EGAT (Electricity Generating Authority of Thailand) werden 99,8% des Landes mit Strom versorgt. Dieser Fortschritt zeigt sich auch seit einigen Jahren in diesem Dorf. Bevor das Dorf an das öffentliche Stromnetz angebunden wurde, versorgte es sich selbst, mittels eines kleinen Wasserkraftwerkes mit Energie. Diese Energie wird hauptsächlich in elektrischen Strom umgewandelt, damit die Nutzung eines TV-Geräts, Lichtes und Steckdosen ermöglicht wird. Gekocht wird weiterhin auf einer offenen Feuerstelle. Da es Subventionen vom Staat für den Strompreis gibt, entschlossen sich die Dorfbewohner den Strom von dort zu beziehen. Die aufwändige Energiegewinnung mit dem Wasserkraftwerk wurde eingestellt, weil das Karendorf aufgrund des niedrigen Verbrauchs des Stroms, diesen kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt. Aufgrund der Subvention des Staates muss der Stromverbrauch erst ab einem Verbrauch von 50 kWh pro Monat bezahlt werden. Dieser Wert wird im Karendorf nicht erreicht, da es außerhalb der Hütten keinen weitern Stromverbrauch gibt. 

Strommasten im Karendorf
                                               
Energieträger in Thailand

Während unserer Exkursion wurden wir immer wieder mit den verschiedensten Träger der Energiewirtschaft Thailands konfrontiert, nämlich der EGAT den MEA und der PEA. Folgend versuchen wir nun, diese 3 Institutionen ein wenig näher zu erläutern. Thailands Energieversorgung ist aufgrund nicht effizient genutzter lokaler Vorkommen fossiler Energieträger, geprägt von einer starken externen Abhängigkeit von primären Energieträgern. Thailands existierende Struktur des Energiemarktes wird von den sich im Staatsbesitz befindlichen Instanzen EGAT (Electricity Generating Authority of Thailand) bei der Übertragung und PEA (Provincial Electricity Authority) und MEA (Metropolitan Electricity Authority) bei der Verteilung dominiert, welche ein Oligopol am Stromversorgungsmarkt hinsichtlich der thailändischen Industrie und der Verbraucher halten. EGAT untersteht dem Energieministerium, wohingegen PEA und MEA dem Innenministerium (Ministry of Interior, MOI) unterstehen. MEAs Servicegebiete sind Bangkok, Nonthaburi und Samut Prakarn. PEAs Servicegebiet umfasst den ganzen restlichen Teil des Landes. 

Die Liberalisierung des Energiemarktes wurde durch eine Reihe von Reformen der Regierung von Anand Panyarachun (1991-1992) eingeleitet. In einem ersten Schritt wurde privaten Unternehmen (Independent Power Producers, IPP) gestattet, Kraftwerke zu errichten und zu betreiben (Bsp. Dazu wäre das Wasserkraftwerk im Karendorf) sowie den erzeugten Strom an die EGAT, PEA und MEA zu verkaufen. Auch erhielten kleinere Unternehmen die Möglichkeit, Kraftwerke zu errichten und zu betreiben, um Teile ihres Stroms zu veräußern. 

Früher war EGAT der einzige Produzent in Thailand. Seit 2006 wurde der Strommarkt liberalisiert. Kleine (small power producers - SPP) und sehr kleine Stromerzeuger (very small power producers - VSPP), die einen Mindestanteil aus erneuerbaren Energien erzeugen, dürfen den erzeugten Strom ins öffentliche Stromnetz einspeisen. Unabhängige Stromerzeuger (IPP) liefern an EGAT, PEA oder MEA. EGAT hält heute rund 43% Marktanteil bei der Erzeugungskapazität, IPP ca. 39% und SPP liegen bei 10%. Der Rest addiert sich aus Importen und von VSPP (Stand: Juli 2015). 


Mae Moh Power Plant

Das Mae Moh Power Plant stellt das zweitgrößte Kraftwerk in Thailand dar und erzeugt in etwa 10% des Energiebedarfs des Landes. Mae Moh Power Plant wird vom zuvor erwähnten staatlichen Energieversorger EGAT (Electricity Generating Authority of Thailand) betrieben. Das Kraftwerk befindet sich im Mae Moh Subdistrikt in der Provinz Lampang etwa 125km südöstlich von Chiang Mai. 

Im Rahmen dieses Kraftwerkes nimmt vor allem Braunkohle als vorrangige Ressource eine zentrale Rolle ein.Bereits im Jahr 1953 wurden reichliche Braunkohleressourcen im Mae Moh Becken gefunden, was den Grundstein für die Errichtung eines Braunkohlekraftwerkes darstellte.

Im Tagebau des Mae Moh Power Plant wird bis zu einer Tiefe von 280m gegraben, wobei die Braunkohlevorräte schätzungsweise eine Tiefe von bis zu 600m erreichen. Diese tiefen und aufwendigen Grabungen wären ökonomisch jedoch nicht tragbar und werden daher nicht realisiert. 


Braunkohletagebau

Kapazität:

Das Mae Moh Power Plant ist ein thermisches Kraftwerk, wobei, wie bereits erwähnt, Braunkohle als Grundressource verwendet wird. 

Mit einer Produktionskapazität von 2400 MW , kann das Mae Moh Power Plant 50% der Elektrizität an den nördlichen Bereich, 30% an den Zentralbereich und 20 % an den nordöstlichen Bereich von Thailand liefern. Der jährliche Kraftstoffverbrauch beträgt ca. 16 Millionen Tonnen. 

Das Kraftwerk besteht aus 13 separaten Einheiten, von denen nur zehn in Betrieb sind und diese zehn Einheiten, oder auch „Units“ mit den Nummern 4 bis 13, sind mit einer Rauchgasentschwefelungsanlage ausgestattet um die Luftqualität zu steuern und dem Standard Gerecht zu werden.


Die "Units" des Kraftwerkes

Die räumliche Nähe des Kraftwerkes zum Braunkohletagebau lässt sich nicht nur in Thailand dadurch erklären, dass die entstehenden Transportkosten der Braunkohle zu einem weiter entfernten Verarbeitungsstandort zu hoch wären um rentabel wirtschaften zu können. Unter anderem über Lastwägen kommt die getrocknete Kohle in die Verbrennungsanlagen, wodurch Wärme produziert wird. Diese Wärme erhitzt Wasser, welches verdampft und Turbinen antreibt. Ein an die Turbinen angeschlossener Generator erzeugt letztendlich den Strom. 
 
Effekte:

Dass dieses Vorhaben und die Art Energie zu gewinnen sowohl positive als auch negative Effekte mit sich bringen, scheint nur allzu logisch. Im Folgenden werden gewisse Vor- und Nachteile des Kraftwerkes erläutert. 

Rohstoffe können im Allgemeinen einen hohen Stellenwert als regionaler Entwicklungsfaktor haben. Die Braunkohleförderung und die damit einhergehende Stromproduktion haben sowohl einen positiven regionalwirtschaftlichen, sowie nationalen Effekt in Bezug auf die Energiesicherheit. Diese Energiesicherheit kann wiederum eine gewisse Voraussetzung für Investitionstätigkeiten bezüglich industrieller Produktion darstellen und Unternehmen anlocken. Des Weiteren bietet dieses Kraftwerk auch Arbeitsplätze für BewohnerInnen aus der Region, wodurch auch die Einkommensstruktur positiv verändert wurde. 


Selbstverständlich bringt diese Art Energie zu gewinnen auch negative Effekte mit sich. So entstehen durch den Bergbau und den Kraftwerksbetrieb Emissionen, die durch die Stromproduktion entstehen und vor allem für die anliegende Bevölkerung gesundheitliche Risiken darstellen. Zu den tiefgreifendsten Problemen, mit denen die BewohnerInnen der anliegenden Dörfer nahezu täglich konfrontiert werden, zählen unter anderem Verschmutzung, Lärmbelästigung und infolgedessen gesundheitliche Beeinträchtigungen. Die im Jahre 1980 durchgeführte Erweiterung des Kraftwerkes verkürzte die Distanz zu den umliegenden Dörfern, wodurch auch Umsiedlungen resultierten. Auch die Ressourcen Wasser und Boden waren bzw. könnten auch noch in Zukunft verunreinigt sein. So wurden 2003 zum Beispiel hohe Werte von Schwermetallen wie Arsen und auch Chrom im Wasser bekundet. Auch die mit Quecksilber „ausgestattete“ Flugasche hatte negative Effekte auf das umliegende Ökosystem. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Mae Moh Kraftwerk sowohl positive als auch negative Aspekte mit sich bringt. Der Energiesicherheit ist mit diesem Kraftwerk selbstverständlich ein großer Gefallen getan, jedoch dürfen auch die gesundheitlichen Risiken, die der umliegenden Bevölkerung zugemutet werden, nicht außer Acht gelassen werden. Obwohl das Unternehmen in Bezug auf Umweltbelastung durch Rauchgasentschwefelungsanlagen schon Akzente gesetzt hat und auch weitere Pläne vorliegen, sollte für die umliegenden BewohnerInnen seitens des Unternehmens aber auch seitens der Regierung mehr unternommen werden. 



Literatur 

http://www.egat.co.th 

http://www.bangkokpost.com/business/news/447603/pea-boss-vows-every-home- will-have- power-by-2015 (Zugang: 20.09.2016) 

Macer, D. R. J (Hrsg.), (2011): Energy Issues in Thailand – Case Study of Mae Moh Power Plant, Lampang. In: Represenatation and Decision-Making in Evironmental Planning with Emphasis on Energy Technologies, pp. 12-14- UNESCO 2011. 

Mehner M., Tuttaworn C., Srisutam P., Gäbert J. (2014) Zielmarktanalyse Thailand. Smart Grids in Thailand mit Profilen der Marktakteure. – Bangkok. 

Mehner M., Tuttaworn C., Srisutam P., Gäbert J. (2016) Zielmarktanalyse Thailand. Photovoltaik und Netzintegration mit Profilen der Marktakteure. – Bangkok. 

Srivichit, R. & Srivichit, C. (2010): Collaborative Resettlement. CEPSI 2010.


ABSCHLUSSREFLEXION: Umweltschutz und Umweltbewusstsein


Magdalena Müller, Stefanie Riegler, Theres Scheiblauer

Umweltbewusstsein wird vom Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (vgl. 1978: 445) als „Einsicht in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen durch diesen selbst, verbunden mit der Bereitschaft zur Abhilfe“ definiert. Das Konzept besteht also aus zwei Komponenten, nämlich einerseits der Wahrnehmung der Verschlechterung der Umweltsituation, die durch den Menschen verursacht wird, und andererseits der Bereitschaft dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Während der Exkursion stellten wir durch die zahlreichen Berichte und Diskussionen fest, dass in Thailand ein starker Interessenskonflikt zwischen lokalen Bevölkerungsgruppen, die in Communitys mit ruralen Strukturen leben, und der Regierung bzw. wirtschaftlichen Akteuren herrscht.

Ein einschneidendes Beispiel war der Besuch des Dorfes Ban Hua Fai, in dem die DorfbewohnerInnen berichteten, dass ihr Alltag aufgrund der Nähe zu einem Tagebau von Lärmbelästigung und Luftverschmutzung, die wiederum zu massiven Gesundheitsproblemen führt, geprägt ist. Die EinwohnerInnen haben sich zusammengeschlossen und sich für eine Umsiedlung der Gemeinde eingesetzt, die letztendlich auch bewilligt wurde. Sie konnten zwar die Verschmutzung nicht reduzieren, jedoch haben sie es geschafft für ihr eigenes Wohlergehen zu sorgen. Den enormen Zusammenhalt und die bewundernswerte Willensstärke von kleinen Communitys haben wir während unserer Reise immer wieder bemerkt.

Auch im Karendorf haben wir einen Einblick in das vorherrschende Umweltbewusstsein der Minderheit gewinnen können. Dort geht es vor allem um die Bewirtschaftung der Fläche, da diese eine wichtige Lebensgrundlage für das Dorf darstellt (Nahrung, Holz, etc.). Durch die Nutzung des Bodens besteht jedoch ein Konflikt mit der Regierung, in deren Besitz sich die Nutzfläche befindet und die daher versucht die Bevölkerung vom Wald auszuschließen. Die Karen selbst betreiben zu einem großen Teil einen nachhaltigen Wanderfeldbau, welcher zum Ziel hat, dass sich der Boden wieder regenerieren kann. Unterstützt wird die Minderheit von Raks Thai, einer NGO, die als Vermittlungsinstanz zwischen Staat und den lokalen Ansässigen dient.

Obwohl es in Thailand schon seit vielen Jahren verboten ist, landwirtschaftliche Nutzflächen durch Brandrodung zu gewinnen, geschieht dies gerade im Norden von Thailand immer noch regelmäßig. An den steilen Hängen rund um das Karendorf wäre eine händische Abholzung zu arbeitsintensiv, die dafür notwendigen Maschinen sind nicht verfügbar. Da die Bevölkerung aber auf eben jene Flächen angewiesen ist, wird Feuer nach wie vor genutzt, um Felder von Bäumen und Sträuchern zu befreien. Dabei wird der Hang von oben weg angezündet, sodass sich das Feuer nicht ungebremst ausbreiten kann. Diese Brände haben zur Folge, dass die Luft manchmal stark verschmutzt ist. Gerade in den Wintermonaten, wenn es kaum oder gar nicht regnet, ist die Luft in der Region rund um die Stadt Chiang Mai oft sehr stark verschmutzt. Unter diesem Phänomen leiden also nicht nur die ländliche Bevölkerung, sondern auch die Bewohner der Städte. Obwohl sich in Bezug auf die Reinhaltung der Luft viel getan hat in den letzten Jahrzehnten, muss für diese Art der Umweltverschmutzung ein stärkeres Bewusstsein geschaffen werden. Es muss der ländlichen Bevölkerung Hilfestellung geleistet werden, da sie alleine keine alternativen Rodungsformen finanzieren kann.

Beispiel für eine landwirtschaftliche Nutzfläche, die durch Brand gerodet wurde 

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt in Hinblick auf die Thematik des Umweltbewusstseins war der Dialog mit einem Biobauern. Er klärte uns darüber auf, dass die Produkte, die hohe ökologische Standards aufweisen, zwar noch nicht so populär sind wie in Europa, jedoch trotzdem eine steigende Nachfrage, vor allem bei der urbanen Gesellschaft, zu bemerken ist. Diese Tatsache zeugt von einem einsetzenden Umweltbewusstsein im städtischen Raum, dessen Entwicklung mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Trend des Westens folgen wird. Diese Entwicklung kann generell für Thailand beobachtet werden, da der Nachhaltigkeitsdiskurs eine immer zentralere Rolle im Umweltbewusstsein der thailändischen Bevölkerung, hier im Speziellen der urbanen Mittelschicht, einnimmt.

"This force is in Thailand made up by people possessing the professional skills to run the modern Thailand with an open, liberalized, export-oriented manufacturing economy. They occupy a spectrum, which runs from managerial employees at the one end, through self-employed professionals in the middle, to small businesses and sub-contractors at the other. This new class is a child of growing urban capitalism. In line with global trends, this urban based, economically well off and educated group grasped the idea of the “Brundtland Commission” and the concept of sustainability. The economic welfare should not be at the expense of nature, as they perceive it." (Buch-Hansen 2011: 143)

Ökologische Landwirtschaft

 Positiv überrascht waren wir von der Eigeninitiative der Dorfgemeinschaft in Mae Tha, die sich sehr darum bemüht, den Wald nachhaltig zu bewirtschaften und ihr Wissen auch an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben. Für sie ist es wichtig, den Blick in Richtung Zukunft zu richten und deshalb bereits bei den jungen Mitmenschen Bewusstsein zu schaffen. Dies geschieht vor allem im Zuge des Nachhaltigkeitsunterrichts und verschiedener Projekte.

Seitens des Staates gibt es zwar Förderungen für nachhaltige Innovationen (wie zum Bespiel die Waste-To-Energy-Anlage, die eine nachhaltige Müllentsorgung gewährleistet), im Großen und Ganzen stellten wir jedoch fest, dass die Regierung sich in Umweltfragen zurückhält, was die Relevanz von NGOs wie Raks Thai oder der Henrich-Böll-Stiftung, die sich ebenfalls für ein ökologisches Bewusstsein einsetzt, enorm steigert.

Die Waste-to-Energy-Anlage

Einen weiteren Punkt bezüglich des Umweltbewusstseins konnten wir bei eine unserer letzten Stationen in Bangkok, dem Klong Lad Pho Flood Gate, einem Projekt, das vom König Bhumibol initiiert wurde, beobachten. Der Kanal ermöglicht eine raschere Entwässerung des Chao Phraya Flusses bei Überflutungsgefahr in das Meer. Bei der Besichtigung des Flood Gates ist uns vor allem ins Auge gestochen, dass das Flood Gate Teile des Mülls, der im Chao Phraya angeschwemmt wurde, auffing (siehe Bild).

Gesammelter Müll in der Schleuse des Flood Gates

Auf unser Rückfragen hin fanden wir jedoch heraus, dass dieser Müll nicht aus dem Wasser gefischt wird, sondern bei Öffnung der Schleusentore weiter in den Kanal geleitet wird. Entsprechend der eingangs diskutierten Definition des Begriffs „Umweltbewusstsein“ zeigte sich für uns wieder, dass dieses Müllproblem von den Stakeholdern zwar wahrgenommen wird, es jedoch offensichtlich an der Bereitschaft zur Umsetzung fehlt.

Adäquater Umgang in Umweltfragen ist in einem Land aber nicht nur von staatlichen Institutionen und großen Firmen, sondern auch von der Bevölkerung selbst abhängig. Dies fängt bei kleinen Dingen wie der Müllentsorgung an. Was für einen Europäer nahezu undenkbar ist, ist im thailändischen Alltag ganz normal: Müll wird oft einfach auf die Straße geschmissen. Es gibt kaum öffentliche Mistkübel auf der Straße, weswegen den Leuten auch nicht wirklich etwas anderes übrigbleibt, wenn sie ihren Müll nicht den ganzen Tag durch die Stadt tragen wollen. Prinzipiell hat man nicht das Gefühl, dass Mülltrennung in Thailand ein Thema ist. Es wird einem keine Auswahl an verschiedenen Tonnen angeboten, um seinen Abfall fachgerecht zu entsorgen. Auch, wenn durch Waste-To-Energy-Anlagen schon der erste Schritt in die richtige Richtung im Umgang mit Müll gemacht wurde, gibt es in diesem Bereich noch Handlungsbedarf in den nächsten Jahren und Jahrzehnten.

Aus unseren Beobachtungen schlussfolgern wir, dass man von einem einsetzenden Umweltbewusstsein bei der Bevölkerung sprechen kann, jedoch ist der Prozess der Umsetzung aufgrund des fehlenden Rückhaltes der Regierung sehr mühsam. Derzeit ist der Wille, etwas an der Verschlechterung der Umweltqualität zu ändern zwar erkennbar, jedoch wird er nur lokal und auf einer kleinen Maßstabsebene umgesetzt. Es fehlt am notwendigen Weitblick und an Möglichkeiten, Thailand als Ganzes umweltfreundlicher zu machen.

Quellen:
Buch-Hansen M. (2001): Is Sustainable Agriculture in Thailand Feasible? – In: Journal of Sustainable Agriculture 18(2/3), 137-160.

Rat von Sachverständigen für Umweltfragen (1978): Umweltgutachten 1978, Deutscher Bundestag, Drucksache 8/1938.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

ABSCHLUSSREFLEXION: Stadt-Land / Livelihood & Umwelt

FORSCHUNGSBERICHT: Stadt-Land / Livelihood & Umwelt
Johanna Gschwandtner, Mario Tempelmayr, Doris Temper, Marie-Christine Weiss

 

Einführung

Der folgende Forschungsbericht befasst sich mit der Thematik „Stadt-Land/Livelihood und Umwelt“ in den im Zuge der Auslandsexkursion besuchten Gebieten Thailands. Dahingehend wird versucht, vor allem einen Vergleich zwischen den peripheren und urbanen Regionen anzustellen. Die nachfolgenden Ausführungen spiegeln die zusammengefassten, reflektierten Ergebnisse der Beobachtungen, welche im Laufe der Exkursion getätigt wurden, wieder und werden mit einschlägiger Literatur untermauert.

Leben am Land: Huai Ma Ba Village

Das Huai Ma Ba Village bzw. das dort lebende Volk der Karen werden exemplarisch für die Lebensumstände der Bevölkerung in den besuchten peripheren Gebieten Thailands herangezogen. Zu Beginn kann festgehalten werden, dass die Karen als Hilltribes gelten und die größte Minderheitengruppe des Landes darstellen. Ihren Lebensmittelpunkt bilden vor allem die Bergregionen im Norden. Im Zuge der Exkursion gewährte uns das Bergvolk einen Einblick in ihre Lebensweise. Dahingehend wurde schnell ersichtlich, dass sich deren Lebensbedingungen relativ schlicht gestalten.

Einfache Holzbauten im Karen Dorf (Quelle: Eigene Aufnahme)

Die Gebäude der Karen bestehen aus einfachen Holzkonstruktionen und wurden auf Stelzen errichtet, um etwaigen Naturgefahren vorzubeugen. Obwohl die Haushalte seit ca. einem Jahr mit Strom versorgt werden, wird nach wie vor überwiegend auf offenen Feuerstellen gekocht. Die Gebäude selbst weisen nur wenige, einfach gehaltene Räume sowie Sanitäranlagen auf. In Bezug auf den Lebensunterhalt der Karen spielt der primäre Sektor, also die Landwirtschaft, eine zentrale Rolle. Hier kann einerseits zwischen dem von ihnen betriebenen Wanderfeldbau und andererseits der privaten Viehwirtschaft differenziert werden. Während bei ersterem nahe gelegene Felder gerodet und bewirtschaftet (Reis, etc.) werden, besitzt außerdem jeder Haushalt zumindest zwei Arten von Nutztieren, wie beispielsweise Schweine und Hühner, welche unter den Holzhütten gehalten werden.

Brandrodungs- und Wanderfeldbau (Quelle: Eigene Aufnahme)
Wie in vielen Regionen Europas ist auch in Thailand in jüngerer Zeit eine klassische Stadt-Land-Flucht bemerkbar. Diese gestaltet sich dort jedoch ein wenig anders als bei uns: Während in den Dörfern vor allem die kleinen Kinder sowie die ältere Generation verweilen, bestreiten die jungen Erwachsenen ihren Lebensunterhalt häufig in nahe gelegenen Städten, wie beispielsweise in Chiang Mai. An den Wochenenden bzw. freien Tagen kehren sie aber zumeist in die Dörfer zurück, um die Zurückgebliebenen tatkräftig in der Landwirtschaft bzw. im Haushalt zu unterstützen. Dies bestätigen auch die folgenden Ausführungen von GÖDECKE und WAIBL:

 „A major factor is the change in the social structure of the village as a result of out-migration of mostly younger family members to urban industrial centres [...]“ (GÖDECKE UND WAIBL 2011: 216)


Eine weitere Einnahmequelle bilden die von Frauen aus Naturfasern hergestellten Textilprodukte, welche entweder auf Märkten oder direkt im Dorf verkauft werden. Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass in dieser peripheren Region zwei Livelihood-Strategien vorherrschen: Einerseits die Landwirtschaft und andererseits die Erwerbstätigkeit der jungen Generation in den Städten. Vor allem durch letztere verringert sich die Abhängigkeit der Dorfgemeinschaft von der Umwelt. 

„ [...] while in the past households relied on farming as the main source of livelihoods, to date, two major livelihoods strategies have emerged. The first one is applied by those households who continue to be engaged in farming and who may have intensified their farming activities through accumulation of land and investments in agricultural technology. In addition, there are those households who seem to choose an exit strategy from agriculture or try to insure against risk in agriculture by diversifying their income portfolio through migration. These households therefore increasingly rely on wage income from household members who migrated to industrial areas.“ (GÖDECKE UND WAIBL 2011: 216)

In Summe ist der Wohlstand der ländlichen Bevölkerung somit gestiegen, wobei das erwirtschaftete Geld wiederum meist in Infrastrukturmaßnahmen investiert wird (Zugang zur Stromversorgung, Kauf von Fernseher, etc.). Zu guter Letzt hat sich neben dem Wohlstand auch die Bildung der Bevölkerung sowie deren Zugang zu Informationen in den peripheren Regionen stetig verbessert. 

„[...] according to the income model, both livelihood strategies can have their merits since migration as well as cropland was found to have a positive effect on per capital income.“ (GÖDECKE UND WAIBL 2011: 216)

Leben in der Stadt: Bangkok und Ayutthaya

Trotz einiger Gemeinsamkeiten gestaltet sich das Leben in der Stadt anders, als auf dem Land. Durchquert man Bangkok, so wird schnell ersichtlich, dass die arme und die wohlhabende Bevölkerung eng zusammenwohnt; pompöse Wolkenkratzer werden von einfachen Wellblech- bzw. Holzhütten umringt. Innerhalb der (Groß-)Städte etablierten sich unterschiedlich große Dorfgruppen, die sich nach außen hin abschirmen und eine eigene – teils informelle – Community bilden. Diese Gruppen wählen einen sogenannten Ortsvorsteher und sind oft von der anderen Umgebung durch Zäune oder Zugangstore abgegrenzt.

Zugangstor zu einer Community (Quelle: Eigene Aufnahme)
Wie in den peripheren Regionen herrschen in den kleinen Dörfern der Städte ebenfalls einfache Lebensumstände, obwohl die Infrastruktur schon deutlich besser scheint: „Ordentliche“ Fenster, fließendes Wasser sowie eine solide Stromversorgung und sogar Klimaanlagen prägen das Lebensumfeld. Auch hier sind die Haushalte relativ groß und viele Menschen leben auf engem Raum zusammen. In Bezug auf die Umwelt stellen vor allem Überflutungen, Abgase und große Müllaufkommen zentrale Probleme dar:

„The growth and development patterns of Bangkok have had significant implications for the ecology of the region. Water, air and solid waste pollution have reached extreme levels (SETCHELL, 1995; GLASSMAN AND SNEDDON, 2003).“ (STOREY D. 2012: 111f.)

„On the one hand, conflicts result from the environmental impacts of urban growth, the failure of regulation and the increase of informal settlements, many of which are unserviced and lack basic sewerage and sanitation systems.“ (STOREY D. 2012: 109)

In einer Dorfgemeinschaft nahe der Stadt Ayutthaya, welche nördlich von Bangkok am Chao Phraya liegt, kämpfen die Bewohnerinnen und Bewohner seit Jahren mit immer wiederkehrenden Hochwasserkatastrophen.

Hochwassersicheres Haus im Dorf Nahe Ayutthaya (Quelle: Eigene Aufnahme)
 Viele von ihnen haben daher ihre Häuser auf Stelzen oder in Form von Hausbooten errichtet bzw. ihre Unterkünfte entsprechend adaptiert. Die Finanzierung dieser Hochwasserschutzmaßnahmen obliegt den Eigentümerinnen und Eigentümern. Eine Förderung seitens der Regierung Thailands gibt es nicht. Die Dorfgemeinschaft kann diese Investitionen jedoch nicht vollständig tätigen, weshalb mehrere Häuser noch nicht vor den kommenden Flutereignissen geschützt sind. Vor Ort konnten wir an einer Brücke das Ausmaß der Schäden der letzten Hochwasserkatastrophen erahnen und trafen unter anderem auch eine Gruppe von Frauen, die gemeinsam Handarbeitsstücke anfertigen und verkaufen, um sich so ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. 

Ein anderer spannender Aspekt, der sich während der Exkursion zeigte, ist, dass die Hauptstadt Bangkok nicht nur städtisch und von Hochhäusern geprägt ist, sondern auch ländliche Gegenden aufweist, in welchen teilweise sogar eine Art Urwald vorherrscht. Einer dieser Bereiche ist die „Bang Krachao Urban Green Zone“, auch bekannt als die grüne Lunge Bangkoks, welche vom Chao Phraya umringt wird.

Bang Krachao Urban Green Zone (Quelle: KRUL K. 2012: 24)

In Gebieten wie diesen leben ebenfalls verschiedene Dorfgemeinschaften, die jedoch durch private Investoren bedroht sind, welche das Land aufkaufen wollen um die Halbinsel mit lukrativen, neuen Wolkenkratzern zu bebauen. KRUL hält dazu fest:

„The improved infrastructure together with Bangkok’s rapid urbanization have in-creased Bang Krachao’s land prices. These have tripled in just a few years (SOMMEECHAI, 2012). In effect, more locals are now tempted into selling their land to outsiders and foreigners who have development intentions.“ (KRUL K. 2012: 25)

Conclusio

Die Auseinandersetzung mit der Thematik und die dahingehenden Beobachtungen gestalteten sich äußerst spannend. Im Zuge der Exkursion hat sich gezeigt, dass in Thailand vielfältige Wechselbeziehungen zwischen den Menschen und der Umwelt bestehen. Widmet man sich den Livelihoods, so wird schnell ersichtlich, dass es trotz einiger Disparitäten zwischen der Bevölkerung in den Städten und am Land dennoch auch viele Gemeinsamkeiten gibt. 

Literatur

 

ENDO T. (2014): Living with Risk. Precarity & Bangkok’s Urban Poor. – Singapur.

GÖDECKE T., WAIBEL H (2011): Rural-urban transformation and village economy in emerging market economies during economic crises: empirical evidence from Thailand. – In: Cambridge Journal of Regions, Economy and Society Vol. 4 (2), 205-219.

KRUL K. (2012): Dealing with high pressure: Urban Agriculture as a tool to prevent green spaces from turning red, a case study from Bang Krachao. – Amsterdam.

STOREY D. (2012): Incompatible Partners? Urban poor communities and river sys-tems in Bangkok, Thailand. – In: International Development Planning Review 34 (2), 109-128.

Eigentlich banal, für uns aber phänomenal!

Johanna Gschwandtner und Mario Tempelmayr

Eigentlich banal, für uns aber phänomenal!
Über die kleinen Freuden des Exkursionsalltags
 


Fast die Hälfte unserer Auslandsexkursion ist nun vorbei. Am gestrigen Tage bestiegen wir erschöpft und mit pochenden, schmerzenden Gelenken bereits zum sechsten Mal unseren Minivan. Begleitet von bedrückter Stimmung und rauchenden Köpfen nahmen wir unsere gewohnten Plätze ein, kreisten die Schultern und munterten uns gegenseitig auf. Kopfhörer wurden verteilt, schlaffe Körper umständlich verrenkt und Schlafpositionen gesucht. Während manche die Hand als Polster bevorzugten, überstreckten andere ihr Genick und versuchten so ihr Bestes, um in einen halbwegs erholsamen Schlaf zu gleiten. Eine kleine Minderheit glaubte noch, mit den mitgebrachten „Hörnchen“ (Nackenkissen) optimal versorgt zu sein, doch die Werbung versprach zu viel. Völlig entnervt wurden sie schon bald ins hinterste Eck des Vans geschleudert. In der Folge wurden die Fenster nahezu von taumelnden Köpfen zerschlagen, diverse Blessuren davongetragen und Schleudertraumata aufgrund der holprigen Straßen erlitten. Kurzum: Die Laune mancher Teilnehmer/-innen verschlechterte sich zusehends und zahlreiche Körper kamen an ihre Grenzen. Physische Schmerzen unterschiedlicher Grade waren omnipräsent!

Vorher: Ungemütliche Verrenkungen

Doch am besagten, gestrigen Tag sollte etwas völlig Unerwartetes geschehen: Während die müden Äuglein der Student/-innen langsam zufielen und manche ihren Gedanken nachhegten bzw. sich Musik zu Gemüte führten, ertönte plötzlich und völlig unerwartet ein lauter Aufschrei. Erregt und etwas verwundert schreckten folglich alle hoch, die Äuglein wurden gerieben und von verständnislosen Blicken geziert. Langsam und wie im Film dämmerte uns schließlich allen, welch großartiger Komfort uns auf den zurückgelegten hunderten Kilometern entgangen war: Ein kleiner, unscheinbarer, verstaubter und schwarzer Hebel sollte unser Exkursionsleben grundlegend verändern! Eine Kollegin entdeckte dieses kleine Kerlchen zufällig, als sie gerade nach der optimalen Schlafposition suchte. Endorphine strömten durch unsere dahinvegetierenden Körperhüllen und riefen schier unendliche Glücksgefühle hervor. All die Sorgen und Schmerzen der letzten Tage waren wie weggeblasen, ungläubige Freudentränen kullerten über unsere geröteten Wangen. Mit letzter Kraft betätigten wir unseren persönlichen Hebel, stellten die lange verfluchten Sitze individuell ein, lehnten uns genüsslich zurück und glitten unverzüglich in einen Dornröschenschlaf.


Nachher: Dornröschenschlaf